Die Fesseln der Unabhängigkeit des Elefanten

Elefant an Kette

16 Asiatische Elefanten leben im Kölner Elefantenpark, dem mit 20.000 Quadratmetern größten und modernsten Elefantenpark nördlich der Alpen. Es bringt mir Freude, die großen Tiere zu sehen. Dennoch stimmt es mich traurig, sie in der Gefangenschaft zu erleben.

Der Park ist groß, komfortabel, es fehlt ihnen möglicherweise an nichts. Seit über 150 Jahren werden Elefanten im Kölner Zoo gehalten. Seitdem hat sich glücklicherweise viel verbessert. Die Kölner Elefantenherde lebt die meiste Zeit über ohne direkten Kontakt zu den Pflegern in ihrem natürlichen Familienverband. Gelegentlich arbeiten die Pfleger mit den Tieren, damit die aufwendige Pflege sicher und geschützt durchgeführt werden kann. Die Übungen mit einem Bambusstab helfen den Dickhäutern sich an ihre menschlichen Beschützer zu gewöhnen.

Im Innenbereich der großen Elefantenhalle gibt es oben eine Aussichtsplattform. Ehrfurchtgebietend steht dort eine große Ganesh- Statue.

Ganesha im Kölner Zoo

Ganesha wird in Indien als eine Gottheit verehrt. ‚Der, der Hindernisse beseitigt‘. Was eben Elefanten so machen.

Ganesha ist eine der prominentesten und beliebtesten Gottheiten Indiens und vieler Länder Südostasiens. Man begegnet ihm überall. Jedes Haus hat am Eingang eine Statue stehen, oder ein Bildnis von Ganesha. Er wird auch bezeichnet als: Zerstörer von Hindernissen, Wohltaten schenkend, Geber von Erfolg in aller Arbeit und ist Schutzpatron der Lernenden.

Gemäß hinduistischer Legende hat Ganesha einen menschlichen Körper und einen Elefantenkopf. Einer seiner Stoßzähne ist abgebrochen, und er hat einen großen Bauch. Er sitzt mit einem Bein unter dem anderen. In seiner Nähe befindet sich schmackhafte Nahrung, die als Opfergabe dargebracht wurde. Zu seinen Füßen liegt eine Maus.

Jeder Teil von Ganeshas Körper symbolisiert ein spirituelles Prinzip. Ganeshas große Ohren und Kopf weisen auf Weisheit, die durch sravana (Hören) und manana (Denken) erworben wurde. Ein Elefantenkopf auf einem menschlichen Körper repräsentiert höchste Weisheit.

Der Rüssel repräsentiert den Intellekt oder Unterscheidungskraft, die aus Weisheit hervorgeht. Der Rüssel besitzt die besondere Fähigkeit gröberer als auch feiner Betätigung. Ein Rüssel kann einen Baum ausreißen, aber auch eine Nadel aufheben. Ganeshas Denken erfasst das Reich der Materie und das des Geistes (spirituelles Reich).

Zwei Stoßzähne symbolisieren die Gegensatzpaare: Freude und Schmerzen, heiß und kalt, Tag und Nacht, Ehre und Schmach. Dass Ganesha über nur einen Stoßzahn verfügt, weist darauf, dass er alle Dualitäten transzendiert hat. Ganeshas großer Bauch bedeutet, dass er Vollkommenheit erreicht hat und alle Erfahrungen konsumieren und absorbieren kann.

Ganesha hat vier Arme. Diese vier Arme repräsentieren die vier Aspekte des feinstofflichen Körpers: Geist, Intellekt, Ego und Bewusstsein. In einer Hand hält er eine Axt und in der anderen ein Seil. Die Axt symbolisiert die Zerstörung aller Wünsche und Bindungen. Mit dem Seil zieht Ganesha den Sucher aus seinen weltlichen Problemen und verbindet ihn mit ewiger Glückseligkeit. In der dritten Hand hält Ganesha eine Süßigkeit, die die Belohnung spiritueller Suche darstellt. In der vierten Hand hält er eine Lotusblume, die das höchste Ziel der menschlichen Evolution versinnbildlicht: Erleuchtung. Künstler stellen Ganesha oft die Axt und das Seil mit zwei seiner Hände haltend dar. Dann lassen sie eine seiner Hände eine heilige Handstellung (mudra) einnehmen, die Schutz und Segen gewährt.

Ganeshas Kopf enthält kleine, durchdringende Augen, die das winzigste Detail jedweden Gegenstands untersuchen können. Diese Augen verfügen über die innere Schau, den Geist Gottes in jedem zu sehen.

Ganeshas Gefährt ist eine kleine Maus. Die Maus steht für Egoismus und weltliche Wünsche, worin die Ursache für all unser Leiden liegt. So wie die Maus in Dunkelheit lebt und stiehlt, so lebt unser Bewusstsein in Unwissenheit und ist ständig beschäftigt mit materiellen Gewinnen, wodurch unser innerer Friede gestohlen wird. Ganesha beherrscht sein Gefährt vollständig, d.h. er hat Egoismus und Wunschnatur überwunden.

Ganesha, der auf seiner Maus reitet, steht für einen vollendeten Menschen, der seinen begrenzten Körper, Fühlen und Denken, dargestellt durch die Maus, benutzt, um die grenzenlose Wahrheit, die Ganesha symbolisiert, zu übermitteln. Körper, Fühlen und Denken sind begrenzt. Es ist ihnen nicht möglich, den unbegrenzten Verstand zum Ausdruck zu bringen. Der Intellekt des Durchschnittsmenschen kann der hinduistischen Lehre nach, die Wahrheit nicht begreifen.

Es sind 40 Jahren her, da hörte ich von einem alten Inder eine Geschichte darüber, wie man in Indien mit Elefanten arbeitet und sie für die Waldarbeit abrichtet. Auch in Thailand, Burma Bangladesch oder Myanmar setzt man Elefanten immer noch als e ein, um aus dem dichten und undurchdringlichen Dschungel Holz ab zu transportieren.

Kaum geboren, werden die Elefantenkinder von sogenannten Mahuts (Elefantenführern) dressiert. Die richtige Kontrolle über ihren Rüssel muss geübt werden: Junge Rüsseltiere brauchen dazu zwei Jahre. Manche treten sogar aus Versehen drauf. 40.000 Muskeln stecken im Rüssel – mit ihm können sie bis zu 400 Kilo heben. Ein Mahout, der oft über Jahrzehnte mit dem Tier verbunden ist, reitet auf dem Nacken des Elefanten und dirigiert ihn mittels verbaler Kommandos seines Elefantenstabs und des Drucks, den er mit Füßen und Beinen auf das Tier ausübt.

Ein süßer, preisgekrönter Film aus dem Jahre 2010, zeigt die Geschichte eines jungen Mädchens und die ihres Elefanten. Chandani sehnt sich danach als weibliche Mahout ihren Berufstraum zu erfüllen.

Chandani und ihr Elefant.

Zur Geschichte des Filmes heisst es:

Die 16-jährige Chandani aus Sri Lanka hat einen ungewöhnlichen Traum: Sie möchte ein Mahout, eine Elefantenführerin werden. Doch das ist entsprechend der Jahrhunderte alten Tradition ein reiner Männerberuf. Ihr Schicksal verbindet sich nun mit dem eines kleinen Elefanten, der gerade in das Elefanten-Waisenhaus des Pinnawela-Nationalparks eingeliefert wurde. Beweist sie ihre Ernsthaftigkeit bei der Pflege des jungen Tiers, wird ihr Vater – er ist der angesehene Chef-Mahout im Waisenhaus – sie zum ersten weiblichen Mahout in Sri Lanka ausbilden. Schließlich hat er keinen Sohn; nur Chandani kann die Familientradition, mit Elefanten zu arbeiten, fortsetzen. Aber wenn sie sich im Umgang mit dem Elefantenkalb nicht bewähren kann, so wird sie ihren Traum begraben müssen und kann die lange Mahout-Tradition ihrer Familie nicht fortsetzen.

http://chandani.realfictionfilme.de/

Damit junge Elefanten nicht weglaufen, kettet man sie mit einem Fuß an einen Pfahl. Der kleine Elefant versucht wegzulaufen, die Kette hält ihn fest und er merkt, dass er nicht wegkommt. Der Elefant wird irgendwann größer. Bald ist er kräftig genug, um die Kette zerreißen zu können. An diesem Lebensmoment angekommen, besitzt er keinen Antrieb mehr, in seine angeborene Freiheit zu laufen. Bis sie als Arbeitselefanten zur Waldarbeit eingesetzt werden, dauert es bis zu vier Jahren.

Für ihn ist dieser Moment einfach alltäglich. Seine Eltern und Freunde haben es ihm vorgemacht. Sie alle leben an diesem kontrollierbaren, komfortablen Platz. Und es gibt dort Menschen, die Acht auf einen geben. Sie behüten die Herde, geben ihnen das Gefühl von Geborgenheit. Zudem vermitteln die Aufpasser das Gefühl von Sicherheit. Es gibt ausreichend Futter, niemandem wird nachgestellt.

Irgendwann kann der Elefantenspross nicht mehr fliehen. Dann glaubt er, dass seine Situation angeboren ist, normal und natürlich. Er hat bereits als Sprössling seiner Gattung gelernt, dass es nichts nutzt, sich gegen die Kette zu wehren. Am Ende reicht sogar ein dünnes Seil, um ihn am Weglaufen zu hindern.

Es sind also nicht die realen Gegebenheiten, die den Elefanten in Gefangenschaft halten. Er ist groß und stark, talentiert und weise. In Wirklichkeit müsste der Elefant nur einmal kräftig ziehen und das Seil würde reißen. Aber er probiert es nicht. Weil er nicht daran glaubt, dass es funktionieren würde. Mit den Jahren verliert er die Erinnerung an diesen folgenschweren Moment seiner Erziehung.

Verhalten wir Menschen uns nicht ebenso in unserer Geburtsumgebung?

 Alle Welt sehnt sich nach Freiheit, und doch ist jedes Geschöpf in seine Ketten verliebt; das ist der Urwiderspruch, der unentwirrbare Knoten unserer Natur.

Sri Aurobindo

 

Wir sehen das an den Ketten der Religionen, den Dogmen, falscher Bildung, Hirnwäsche durch die Medien, Corporate Governance Programmen und Meinungsmachern.

Der Elefant glaubt zu wissen: Es hat ja doch keinen Sinn, deswegen versuche ich es erst gar nicht. Und Hand aufs Herz: Wie oft haben wir so etwas auch schon einmal gedacht?

Oft glauben wir, wir können etwas nicht, deswegen probieren wir es erst gar nicht. Oder wir tun etwas nicht, das wichtig für uns wäre, weil es vermeintlich gute Gründe dagegen gibt. Gründe, die oft nur in unserem Kopf und in unserer Vorstellung existieren. Oder Gründe, die mit ein bisschen Einfallsreichtum aus dem Weg zu räumen wären.

Vielleicht irren wir uns in unseren Annahmen. Zu denken heißt manchmal auch, sich zu irren. Der Dschungel der Phantasie unseres Denkens, kann uns oft in undurchdringliches Dickicht führen. Deshalb ist das „Wahre“ oft nicht direkt erkennbar. So lohnt es sich manchmal in Stille das eigene Denken konstruktiv und mit Abstand zu hinterfragen. Auch kritisch zu sein. Quer zu Denken. Es gibt kein rechtes Denken. Nur die Wahrhaftigkeit der Stille der Ebene des Herzens und der Quelle des Denkens. Das Wahre ist oft kaum erkennbar und zeigt sich in Respekt, Achtung, Mitmenschlichkeit, Mitgefühl, Gewaltlosigkeit, Dialogbereitschaft, menschliche Wärme, im Zuhören und Lernen ist in der inneren Form, wie eine Oase des Herzens, die von der Karawane des Denkens nie erreicht wird.

Wer frei sein möchte, muss sich von den Ketten der Konditionierung lösen. Vertrauen zu sich selbst entwickeln. Lebenslang lernen, Fragen stellen, Selbstkultivierung betreiben und den Geist immer wieder leeren von unnötigem Müll. Damit das gelingen kann, empfehle ich, bevor der innere Abfalleimer überquillt, kognitive Übungen, Stärkung der emotionalen Intelligenz, Resilienzförderung, Yoga und Meditation.

Tatsächlich haben alle Menschen, auch wenn sie noch so passiv scheinen, ein Kreativitätspotential, das nur nach Ausdrucksmöglichkeiten sucht. Erinnern Sie sich an die Phantasie und die Einbildungskraft, die man bei Kindern schon im frühesten Alter beobachten kann. Sie kommen in ihren Zeichnungen, ihren Gesprächen, ihren Spielen, ihren Basteleien zum Durchbruch.

Unglücklicherweise verkümmert dieser geistige Reichtum oft mit den Jahren. Das beginnt schon zuhause, wenn die Erziehung mehr auf Verboten und Verweisen als auf der Förderung der Unternehmungslust und der Spontanität des Kindes beruht.

Diese Entwicklung wird in der Schule fortgesetzt, deren pädagogische Methoden das Gewicht noch zu sehr auf das Erwerben von Kenntnissen und die Anpassung legen.

Wenn wir dann „gelernt“ haben, dass etwas so sei, ist es für uns meist nicht mehr (leicht) möglich, zu erkennen, dass diese Sache auch „anders“ sein kann. Carlos CASTANEDA, ein amerikanischer Anthropologe und Ethnologe, schreibt in einem seiner sehr empfehlenswerten Bücher über das Wissen der Yaqui Indianer:

„Jeder, der mit einem Kind in Kontakt kommt, ist ein Lehrer. Er erklärt die Welt unaufhörlich, bis zu dem Augenblick, wo das Kind die Welt so wahrnehmen kann, wie sie ihm erklärt wurde. Wir haben keine Erinnerung an diesen folgenschweren Augenblick, einfach weil wir keinen Bezugsrahmen hatten (damals), in dem wir ihn mit etwas anderem hätten vergleichen können. Doch von diesem Augenblick an ist das Kind ein Mitglied. Es kennt die Beschreibung von der Welt und es erreicht die volle Mitgliedschaft, wenn es in der Lage ist, all seine Wahr-Nehmungen so zu deuten, dass sie mit diesen Beschreibungen übereinstimmen und sie dadurch (zu) bestätigen (scheinen)“.[1]

Als ich meine Tochter zum ersten Schultag brachte und seitdem kommen mir immer wieder diese Gedanken, wenn ich mit Eltern über die Schulsituation spreche, unsere heutige Bildung betrachte, Texte lese von Prof Gerhald Hüther über die angeborenen Talente unserer Kinder, gehirngerechtes Lernen, wie oft musste ich mit schwerem Herzen an die Zeilen von Reinhard Mey denken:

„Es gab nur Liebe und Versteh‘n, gab nur Freiheit bislang,

Und nun droh‘n Misserfolge und Versagen.

Der Wissensdurst versiegt unter Bevormundung und Zwang,

Die Gängelei erstickt die Lust am Fragen.

Die Schule macht sich kleine graue Kinder, blass und brav,

Die funktionier‘n und nicht infragestellen,

Wer aufmuckt, wer da querdenkt, der ist schnell das schwarze Schaf.

Sie wollen Mitläufer, keine Rebellen,

Ja-Sager wollen sie, die sich stromlinienförmig ducken,

Die ihren Trott nicht stör‘n durch unplanmäss‘ge Phantasie,

Und keine Freigeister, die ihnen in die Karten gucken

Und die vielleicht schon ein Kapitel weiter sind als sie.“ [2]

Ketten, Hindernisse und Sperren werden errichtet gegen die Entfaltung schöpferischer und eigenwilliger Persönlichkeiten. Und das, obwohl die „Einbildungskraft“ und die „Phantasie“ wichtiger sind als die „Kenntnisse“, wie seinerzeit Albert Einstein schrieb.

Die Schule ist immerhin nicht allein verantwortlich. (Im Übrigen beginnt man in einigen Ländern, der schöpferischen Arbeit der Schüler mehr Bedeutung beizumessen). Dazu kommen andere Faktoren, welche die Ausdrucksmöglichkeiten der Kreativität beim einzelnen Behindern:

– Anpassung und Respekt vor dem Herkömmlichen (Verwaltungsvorschriften zum Beispiel);

– Gewohnheit und Erfahrung, die den Menschen in einem verstandesmäßigen und gedanklichen Schema festhalten und somit seine geistige Beweglichkeit blockieren, ohne die es keine neuen Ideen gibt;

– negative Emotionen, wie Entmutigung, Angst, sich der Lächerlichkeit auszusetzen und Mangel an Selbstvertrauen, die durch Kritik ausgelöst werden.

Bedeutet das, dass ein normaler Mensch im Erwachsenenalter wegen der oben erwähnten Barrieren nicht mehr kreativ sein kann?

Sämtliche bisher durchgeführten Experimente beweisen das Gegenteil. Denn Kreativität lässt sich mit einem Muskel vergleichen, aus dem man Höchstleistungen herausholt, indem man ihn arbeiten lässt und seine Möglichkeiten nutzbringend verwendet [3](Michael LeBoeuf. So können Sie Ihre Kreativität entwickeln, Reader’s Digest).

Die Gehirnforschung hat für uns eine rettende Antwort. Wir sind lernfähige Wesen, bis ins hohe Alter. Und das gute ist, unser Gehirn spielt mit. Es besitzt die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu strukturieren. Die Gehirnplastizität oder Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, sich selbst zu regenerieren und umzubauen. Also können wir unsere Ketten lösen, wenn wir nur bereit dafür sind und es tun.

Gewohnheiten, Erfahrungen und Anpassung lassen unser Denkorgan allmählich verkümmern. Dennoch kann es durch die Anwendung von Methoden zur Anregung der Phantasie und des Einfallsreichtums aufs Neue zu Kräften kommen. Es gibt viele Lernmethoden, die sich seit langem bewährt haben.

Das in den ersten Lebensjahren die Grundlagen für spätere Lernerfolge gelegt werden und „Entwicklungsfenster“ des Lernens sich schließen – plappert schon der Volksmund mit seinem deutschen Sprichwort:

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“

Und von Mohammed stammt der Satz:

„Wissen erwerben in der Kindheit ist wie eine Inschrift, gemeißelt in Stein, aber Wissen, das man im Alter erwirbt, ist wie auf Wasser geschrieben.“

Unstrittig ist, dass der Aufbau neuronaler Verknüpfungsmuster ein lebenslänglicher Prozess ist.

(Neuroplastizität = unter neuronaler Plastizität versteht man die Eigenart von Synapsen, Nervenzellen oder auch ganzen Hirnarealen, sich zwecks Optimierung laufender Prozesse in ihrer Anatomie und Funktion zu verändern) Ein Vorgang, der in seiner Beschleunigung jedoch mit dem Alter abnimmt. Dabei fördert Gehirnaktivität den Aufbau von Vernetzung und Passivität (Lernblockaden und Lernverweigerung) den Abbau.

Hier liegt – auch wenn wir das ab einem gewissen Alter nicht mehr gerne hören – das neurobiologische Fundament der Volksweisheit, was dann in der Konsequenz zu konservativen Verhaltensmustern führt. Konservatismus, Suche nach Sicherheit, Verneinung, mangelnde Risikobereitschaft, Angst vor Neuem, allem Fremden, Befürchtung vor dem Verlust des Gewohnten, Ablehnung von Veränderung und zu Bildungsarmut.

Scheitern gibt es nicht. Es ist ein falsches Paradigma zu glauben, dass Scheitern vermeidbar ist. Es ist ein wichtiger Teil des Prozesses. Vermeidung führt nur zum Stillstand. Wir müssen grundsätzlich unser Denkmodell und unsere Perspektive ändern, um zu verstehen, dass Scheitern ein Aspekt des Erfolgs ist. Von Thomas Edison wird berichtet, dass er über 2000 verschiedene Experimente durchführte, die fehlschlugen, bevor er schließlich die Glühbirne zum Glühen brachte. Mut zum Risiko, Mut zum Fehler, Mut zum Scheitern, Mut zur Selbstkultivierung und zum Lernen.

„Ich brauche nur das zu tun, was ich will, und nicht, was die anderen von mir erwarten. In der Gemeinschaft ist es leicht, nach fremden Vorstellungen zu leben. In der Einsamkeit ist es leicht, nach eigenen Vorstellungen zu leben – aber bewundernswert ist nur der, der sich in der Gemeinschaft die Unabhängigkeit bewahrt.“ [4]

© Joachim Nusch

[1]  Carlos Castaneda, Die Lehren des Don Juan: Ein Yaqui-Weg des Wissens
[2]  Faust in der Hand, Reinhard Mey
[3]  Michael LeBoeuf
[4]  Ralph Waldo Emerson

Zitate, Impulse und Inspiration | 3 Probleme und Aufgaben

Wer hat im Leben keine Probleme?

Wenn ich jemanden frage wie es ihm geht, so erhalte ich zunächst immer die Antwort „Gut“. – Oder es geht so. – Alles in Ordnung.

Sind wir wirklich an seinem Wohlbefinden interessiert?

Oder ist es nur eine Standartfrage?

Wie geht’s?- Como estas?, – Comment allez-vous aujourd’hui ? How are you today ?

Unser Blick auf die Schwierigkeiten anderer Menschen fällt uns oft schwer und die befragte Person will vielleicht nicht darüber sprechen, damit das positive Image aufrecht erhalten bleibt, man hätte keine Probleme..

Dazu heute eine Geschichte aus Indien.

In einem Dorf stand eine starke uralte Eiche. Eines Tages forderte der Dorfälteste alle Dorfbewohner auf, ihre Probleme und Sorgen in ein Paket zu packen und auf die Eiche zu hängen.

Der alte Mann stellte allerdings eine Bedingung:

Jeder, der ein Paket auf den Baum band, musste dafür ein anderes mitnehmen.

Alle Dorfbewohner waren damit einverstanden und machten sich eiligst daran, ihre Sorgen und Nöte in ein Paket zu verschnüren und an den Baum zu hängen.

Jeder von ihnen nahm ein Paket mit Problemen eines anderen Dorfbewohners mit nach Hause.

Doch innerhalb kurzer Zeit kam es zu einer großen Aufregung. Die Bewohner eilten zum alten Mann und beschwerten sich, dass die fremden Sorgen wesentlich größer sind als die eigenen.

Der Alte lächelte.

Und es dauerte nicht lange, da packten alle Dorfbewohner die fremden Sorgen wieder in das Paket und brachten dieses zu der Eiche zurück.

Schließlich gingen alle Bewohner wieder mit ihrem Sorgen-Päckchen nach Hause.

Wie dem auch sei. Probleme können wir auch als Aufgaben oder Herausforderungen ansehen. Sie sind ein Geschenk, denn sie helfen uns stärker zu werden. Aufgaben zeigen uns, dass es bergauf geht obwohl wir manchmal den Eindruck haben könnten, es ginge nur bergab
Es lohnt sich einmal die Perspektive zu wechseln und mehr lösungsorientiert zu denken, als nur die Schwierigkeiten und die Probleme zu betrachten. Wir alle haben unsere Herausforderungen und Achterbahnen im Leben die uns nur wachsen und reifen lassen.

Ich wünsche Ihnen die Kraft, die Sie benötigen um alle Aufgaben zu bewältigen und Sie beim bergauf immer fit sind.

Ich hoffe, dass Sie durch diesen Beitrag einen neuen, klareren Blick bekommen werden.

Mein Name ist Joachim Nusch

Machen Sie‘s gut, bis dann!

Alles hat seinen Zweck

“Ein Wasserträger in Indien hatte zwei gleich große Töpfe. Sie hingen an beiden Enden einer langen Stange, die er über den Nacken legte. Einer der Töpfe hatte einen Riss, der andere dagegen war völlig intakt. Der heile Topf enthielt am Ende des langen Weges vom Fluss zum Haus des Herrn immer noch die gesamte Ration Wasser. Der Topf mit dem Sprung dagegen kam immer nur halb voll an. Zwei Jahre lang brachte der Wasserträger seinem Herren nur anderthalb Töpfe Wasser.

Der heile Topf war stolz auf seine Leistung, denn er erfüllte genau den Zweck, zu dem er gemacht worden war. Der beschädigte Topf jedoch schämte sich für seine Unvollkommenheit und fühlte sich elend, weil er nur die Hälfte von dem brachte, wofür er gedacht war. Nach dem zweiten Jahr, in dem er sich nun schon als bitterer Versager empfand, sprach der unglückliche Topf eines Tages den Wasserträger am Fluss an: “Ich schäme mich und möchte mich bei dir entschuldigen”. “Warum?”, fragte der Wasserträger. “Wofür schämst du dich denn?”. “Ich habe die vergangenen beiden Jahre immer nur die Hälfte meines Inhalts abliefern können, weil auf dem Weg vom Fluss zum Haus deines Herrn immer die Hälfte des Wassers aus mir heraustropft. Wegen dieses Mangels musst du viel mehr arbeiten und bekommst noch nicht mal den vollen Gegenwert für deine Mühe”, sagte der Topf.

Dem Wasserträger tat der rissige Topf leid, und so entgegnete er: “Wenn wir gleich zum Haus des Herrn zurückgehen, möchte ich, dass du einmal auf die wunderschönen Blumen am Wegrand achtest.” Und tatsächlich, als sie den Hügel hinaufgingen, bemerkte der Topf die wunderschönen Blumen am Wegesrand, die bunt in der Sonne leuchten, und das heiterte ihn wieder ein wenig auf. Aber am Ende des Pfades fühlte er sich immer noch schlecht, weil wieder die Hälfte seines Inhaltes verloren gegangen war, und deshalb entschuldigte er sich abermals bei dem Wasserträger für sein Versagen.

Der Träger sagte zu dem Topf: “Ist dir aufgefallen, dass nur an deiner Seite des Weges Blumen wachsen, auf der anderen Seite, wo der heile Topf hängt, aber nicht? Das liegt daran, dass ich immer um deinen Mangel gewusst und ihn für meine Zwecke genutzt habe. Ich habe nämlich an deiner Seite des Weges Blumen gesät, und du hast sie jeden Tag, wenn wir den Weg zurück vom Fluss zurück zum Haus des Herrn gegangen sind, gegossen. Schon seit zwei Jahren kann ich jetzt wunderschöne Blumen pflücken, um den Tisch meines Herrn damit zu schmücken. Wenn du nicht genau so wärst, wie du bist, wäre sein Haus nicht so schön geschmückt.”

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Sehen wir noch das Schöne um uns herum?

„Die Parkbank war verlassen, als ich mich dort unter einer alten Weide zum Lesen hinsetzte. Ich war vom Leben enttäuscht und hatte allen Grund, ein säuerliches Gesicht zu machen – irgendwie hatte sich die ganze Welt gegen mich verschworen. Und als ob es mir nicht schon schlecht genug ginge, kam plötzlich ein Junge auf mich zu, noch ganz außer Atem vom Spielen. Er stellte sich mit gesenktem Kopf vom mich hin und sagte aufgeregt: „Guck mal, was ich gefunden habe!“

In seiner Hand war eine alte, verblühte Blume, ein wirklich erbärmlicher Anblick. Sie hatte offenbar nicht genug Licht oder Regen abbekommen, jedenfalls hingen ihre Blütenblätter alle schlapp herab. Ich lächelte gekünstelt, damit mich der Junge endlich in Ruhe ließ. Aber anstatt zu gehen, setzte er sich neben mir auf die Bank. Er hielt sich die Blume an die Nase und erklärte in gespielter Überraschung: „Die riecht ja ganz gut. Und schön ist sie auch. Deshalb habe ich sie ja auch gepflückt. Hier sie ist für dich.“

Die Pflanze hatte keinerlei Leben mehr in sich, sie war nur noch ein farbloses Gewächs. Aber mir war klar, dass der Junge nicht eher gehen würde, als bis ich sie angenommen hatte. Also griff ich nach ihr und sagte: „Danke, so etwas hat mir gerade noch gefehlt.“ Aber der Junge hielt die Blume nur weiterhin sinnlos in die Luft. Erst in diesem Moment bemerkte ich, dass er meine geöffnete Hand nicht sah – er war blind.

Mit zitternder Stimme bedankte ich mich, dass er die schönste ausgesucht hatte. Und während mir Tränen in die Augen schossen, sagte er: „Keine Ursache“, lächelte und machte sich wieder ans Spielen. Er hatte nicht bemerkt, was er bei mir bewirkt hatte. Ich saß da und fragte mich, wie er es geschafft hatte, eine in Selbstmitleid versunkene Frau auf einer Parkbank zu sehen. Wie wusste er von meiner selbst verursachten Trübsal? Vielleicht hatte er es im Herzen gespürt, mit dem er mehr sehen konnte als mit den Augen.

Durch die Augen eines blinden Kindes konnte ich schließlich sehen, dass nicht die Welt das Problem war, sondern ich. Und so schwor ich mir, für all die vielen Male, da ich selbst blind gewesen war, nun das Schönste im Leben zu sehen und mich über jede Sekunde meines Lebens zu freuen. Dann hielt ich mir die verwelkte Blume an die Nase und atmete den Duft einer wunderschönen Rose ein. Ich musste lächeln, als ich den Jungen sah, der mit einer neuen Blume in der Hand auf einen alten Mann zuging, der noch nichts von seinem Glück ahnte. “

(Autorin: Cheryl L. Costello-Forshey)

Die Entwicklungschance des entschlüpfenden Schmetterling

„Ein Wissenschaftler beobachtete einen Schmetterling und sah, wie sehr sich dieser abmühte, durch das enge Loch aus dem Kokon zu schlüpfen. Stundenlang kämpfte der Schmetterling, um sich daraus zu befreien.

Da bekam der Wissenschaftler Mitleid mit dem Schmetterling, ging in die Küche, holte ein kleines Messer und weitete vorsichtig das Loch im Kokon damit sich der Schmetterling leichter befreien konnte.

Der Schmetterling entschlüpfte sehr schnell und sehr leicht. Doch was der Mann dann sah, erschreckte ihn doch sehr.

Der Schmetterling der da entschlüpfte, war ein Krüppel.

Die Flügel waren ganz kurz und er konnte nur flattern aber nicht richtig fliegen. Da ging der Wissenschaftler zu einem Freund, einem Biologen, und fragte diesen:

“Warum sind die Flügel so kurz und warum kann dieser Schmetterling nicht richtig fliegen?”

Der Biologe fragte ihn, was er denn gemacht hätte.

Da erzählte der Wissenschaftler, dass er dem Schmetterling geholfen hatte, leichter aus dem Kokon zu schlüpfen.

“Das war das Schlimmste, was du tun konntest. Denn durch die enge Öffnung, ist der Schmetterling gezwungen, sich hindurch zu quetschen. Erst dadurch werden seine Flügel aus dem Körper herausgequetscht und wenn er dann ganz ausgeschlüpft ist, kann er fliegen. Weil du ihm geholfen hast und den Schmerz ersparen wolltest, hast du ihm zwar kurzfristig geholfen, aber langfristig zum Krüppel gemacht.”

Wir brauchen manchmal den Schmerz, um uns entfalten zu können, um der oder die zu sein, die wir sein können. Deshalb ist die Not oft notwendig – die Entwicklungschance, die wir nutzen können.“

Der Weise und der Vogel

Es waren einmal zwei Brüder – Ying und Yang. Auf einem hohen Berg in der Nähe ihres Dorfes lebte ein alter Greis, von dem die Leute sagten, dass er alles wisse. Die beiden Jungen hatten sich nun in den Kopf gesetzt, ihm eine Frage zu stellen, die er nicht beantworten konnte.

Stundenlang saßen sie auf einer Wiese und überlegten und überlegten, welche Frage sie dem Alten stellen könnten. Ying kletterte auf einen Baum, um besser überlegen zu können. Auf einem Ast neben ihm saß ein kleiner Vogel, der leise zwitscherte. Ganz plötzlich schnappte Ying sich den Vogel und hielt ihn in seiner Hand fest. Als er zu seinem Bruder Yang hinunterkam rief er: „Ich hab’s! Ich weiß, was wir den Alten fragen werden.“ Er zeigte seinem Bruder den Vogel in seiner Hand und sagte: „Wir fragen ihn, was ich in der Hand halte!“ „Er wird antworten, dass du einen Vogel in der Hand hältst.“ erwiderte Yang wenig begeistert. Ying sagte: „Ich weiß. Aber dann werde ich ihn fragen, ob der Vogel tot oder lebendig ist! Und wenn er sagt, dass der Vogel lebt, dann drücke ich meine Hände zusammen. Wenn er aber sagt, dass der Vogel tot ist, dann lasse ich ihn fliegen!“

Diese Idee fand auch Yang gut und so rannten sie aufgeregt den Berg hinauf zu dem alten Mann. Schon von weitem riefen sie: „Alter Mann, wir haben eine Frage für dich!“ Der Greis saß meditierend vor seiner Hütte. Die beiden Jungen standen atemlos vor ihm. Nach einer Weile öffnete er langsam die Augen und blickte die beiden zappeligen Jungen an. „Alter Mann, wir haben eine Frage an dich!“ sagte Yang. „So fragt.“ antwortete der Greis.“Alter Mann, was halte ich hier in der Hand?“ fragte Ying und die Brüder starrten den Alten gespannt an. Er schloss die Augen, dachte einen Augenblick nach und öffnete sie wieder. Er sagte:“ Du hast einen Vogel in deiner Hand.“ Ying guckte siegesgewiss zum Greis und fragt: „Nun denn. Weiser Mann, ist der Vogel tot oder ist er lebendig?“ Daraufhin schloss der Greis seine Augen wieder. Ying und Yang wurden ganz ungeduldig und als er endlich seine Augen wieder öffnete, sprach er: „Mein Sohn. Ob der Vogel tot oder lebendig ist, das liegt ganz in deiner Hand.“

Das Durchhaltevermögen und die Maus

Die Geschichte von der Maus im Topf

Zwei Mäuse fallen in einen Topf mit Schlagsahne. Die eine strampelt, verzweifelt und gibt schließlich auf. Die andere Maus jedoch strampelt so lange, bis die Sahne zu Butter wird und klettert hinaus.

Welche Maus wären Sie?

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