Der Suchende

 
Es war einmal ein Suchender. Er suchte nach einer Lösung für sein Problem, konnte sie aber nicht finden. Er suchte immer mehr, immer verbissener, immer schneller und fand sie doch nirgends.

Die Lösung ihrerseits war inzwischen schon ganz außer Atem. Es gelang ihr einfach nicht, den Suchenden einzuholen, bei dem Tempo, mit dem er hin und her raste, ohne auch nur einmal zu verschnaufen oder sich umzusehen. Eines Tages brach der Suchende mutlos zusammen, setzte sich auf einen Stein, legte den Kopf in die Hände und hielt inne.

Die Lösung, die schon gar nicht mehr daran geglaubt hatte, den Suchenden irgendwann einzuholen, stolperte mit voller Wucht über ihn! Und er fing auf, was da so plötzlich über ihn herein brach und entdeckte erstaunt, dass er seine Lösung in Händen hielt.

Seesterne


Ein alter Mann ging bei Sonnenuntergang den Strand entlang. Vor sich sah er einen jungen Mann, der Seesterne aufhob und ins Meer warf. Nachdem er ihn schließlich eingeholt hatte, fragte er ihn, warum er das denn tue.
Die Antwort war, dass die gestrandeten Seesterne sterben würden, wenn sie bis Sonnenaufgang hier liegen blieben.
„Aber der Strand ist viele, viele Kilometer lang und tausende Seesterne liegen hier“, erwiderte der Alte. „Was macht es also für einen Unterschied, wenn Du Dich abmühst?“
Der junge Mann blickte auf den Seestern in seiner Hand und warf ihn in die rettenden Wellen. Dann meinte er: „Für diesen hier macht es einen Unterschied!“

William Ashburne

Die drei Siebe

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Eines Tages kam ein Lehrling zu Sokrates gelaufen.

„Höre, Sokrates, ich muss dir berichten, wie dein Freund….“

„Halt ein“ unterbrach ihn der Philosoph.“Hast du das, was du mir sagen willst, durch drei Siebe gesiebt?“

„Drei Siebe?“ fragte der Lehrling verwundert.

„Ja! Drei Siebe! Das erste ist das Sieb der Wahrheit.
Hast du das, was du mir berichten willst,
geprüft ob es auch wahr ist?“

„Nein, ich hörte es erzählen.“

„Nun, so hast du sicher mit dem zweiten Sieb, dem Sieb der Güte, geprüft.
Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht wahr ist – wenigstens gut?“
Der andere zögerte. „Nein, das ist es eigentlich nicht. Im Gegenteil…..“

„Nun“, unterbrach ihn Sokrates. „so wollen wir noch das dritte Sieb nehmen und uns fragen,
ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so zu erregen scheint.“
„Notwendig gerade nicht….“

„Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir eben sagen wolltest,
weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste weder dich noch mich damit.“

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